Das zersplitterte Ich

Schizophrenie

Wenn man mal so in sich geht und die einzelnen Plattformen, auf denen man tagtäglich unterwegs ist, aufzählt, kommen dabei schon einige zusammen. Fotouploads und -recherchen auf Flickr, Xing und LinkedIn für die Geschäftskontakte, Slideshare für Präsentationen, Issuu für Dokumente und Broschüren, auf Facebook hält man Kontakt zu Freunden, auf Twitter ist man rund um die Uhr bei spannenden Diskussionen dabei, auf Quora findet man so manche Frage beantwortet. Die einzelnen Plattformen unterscheiden sich jedoch nicht nur durch ihre Anwendung. Auch der Umgang einzelner Mitglieder variiert.

(Bildquelle: CC-BY A Journey Round My Skull | flickr.com)

„Sehr geehrter Herr Schmidt, ich würde Sie gerne für die zukünftige Zusammenarbeit meinem Netzwerk hinzufügen“, so könnte eine klassische Kontaktanfrage auf Xing lauten. Auf Twitter wird der Google-Pressesprecher ganz selbstverständlich geduzt, man weiß, wer aus der Timeline gerade im Zug nach Frankfurt festsitzt, oder wie die Liebesgeschichte zwischen einem Twitterer und  Blondie verläuft. Ein sehr persönlicher Kontakt, obwohl man die meisten aus der eigenen Timeline noch nicht real getroffen hat.

Halten wir einmal fest – ein „Ich“, zahlreiche Präsenzen, unterschiedlicher Umgang.

Versucht man in diesem Präsenzen-Wirrwar Privates und Berufliches zu trennen, womöglich mit wiederum unterschiedlichen Auftritten, dann ist die Schizophrenie perfekt. Berufliche und private Twitter- oder Facebook-Accounts sind weitverbreitet. Doch wem ist es noch nicht passiert, dass er oder sie einen vermeintlich privaten Post über den Firmenaccount gejagt hat. Wer denkt Tweetdeck oder Hootsuite sei die Lösung, dem kann ich nur sagen „einmal ist immer das erste Mal“.

Besonders nach den neuesten Veränderungen bei Facebook vergewissere ich mich vor dem Absenden eines Beitrags oder Kommentars vorher lieber nochmal, ob ich unter dem richtigen Account angemeldet bin.

Wenn ich es mir so recht überlege ist reale Schizophrenie per se einfacher als virtuelle. Die reale weiß zumindest nicht, dass es noch andere Existenzen gibt…