Gedanken zur Work-Life-Balance: Sei ausgeglichen

Sätze wie „Sie müssen Ihre Work-Life-Balance ins Gleichgewicht bringen“, sind doch eigentlich der blanke Hohn. Ich habe mit dem Begriff und dem Satz an sich so meine Probleme. Diese Aussage suggeriert, man könne Schalter A und C betätigen und dann hält sich beides wieder die Waage. Nein, so einfach ist es dann doch nicht. Denn wäre es so einfach, dann gäbe es nicht die steigende Zahl von Burnout-Fällen, also Leuten, denen es offensichtlich nicht gelungen ist, „Work“ und „Life“ in Einklang zu bringen.

Work-Life-Balance – Schwarz und Weiß. Aber kann man so einfach zwischen Work und Life trennen? Ich glaube nicht. Denn Beruf ist nicht nur eine Tätigkeit um Geld zu verdienen, sondern kann im besten Fall auch Berufung sein. Mal abgesehen von jenen Menschen, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben. Und irgendwie gehört der Beruf auch zu unserem Leben dazu. Verbringen wir doch 40 und mehr Stunden pro Woche im Büro.

Mobilität und Flexibilität im Arbeitsalltag bedeutet: Mobiles Internet, Dienstreisen, flexible Arbeitszeitmodelle, Homeoffice, Firmenhandy, internationale Ausrichtung, unterschiedliche Unternehmensstandorte usw. Diese Dinge führen allerdings dazu, dass es immer schwieriger wird, „Work“ und Life“ – besser „Beruf“ und „Privates“ – zu trennen. Bekommen wir doch die beruflichen Mails auf das private Handy, manchmal auch Anrufe nach Feierabendschluss, und als Selbstständiger arbeitet man sowieso selbst und ständig.

Ich glaube, die Theorie der „Work-Life-Balance“ ist auch tatsächlich eine Theorie. In meinem Fall kann man Berufliches und Privates nicht immer klar voneinander trennen. Besuche ich eine Veranstaltung wie zum Beispiel das Medienforum.NRW dann aus privatem UND beruflichem Interesse. Die re:publica ist dafür ein ebenso gutes Beispiel. Meine privaten Interessen sind Teil meines beruflichen Alltags, und wie mir geht es vielen anderen.

Das Motto lautet: Sei ausgeglichen.

Im Job ausgeglichen sein, heißt für mich: Einer Arbeit nachgehen, die mich erfüllt; eine Aufgabe haben, die mich fordert; eine Verantwortung haben, der ich gewachsen bin; einen Arbeitgeber haben, der mir die nötigen Freiräume lässt, mich zu verwirklichen.

Im Privaten ausgeglichen sein, heißt für mich: Mit meiner Familie und meinen Freunden Zeit verbringen, aber auch Zeit für mich haben, meinen Interessen nachgehen, Sport treiben, Reisen usw. (die Liste könnte ich jetzt noch endlos ausdehnen …)

Ob ich ausgeglichen bin oder nicht, lässt sich nicht anhand eines Stundenkontos feststellen. Wichtig: Ein vertrauensvoller Umgang mit der privaten und der beruflichen Zeit. Dann stimmt auch die Balance.

Vertrauensvoller Umgang heißt: Dinge so nehmen wie sie kommen. Mal bis 21 Uhr im Büro bleiben, wenn man gerade mitten in einer kreativen Phase steckt oder den Projektabschluss nach am selbigen Tag erledigen will. Aber auch an Tagen, an denen der Wurm drin ist, auch mal Fünf gerade sein lassen und am nächsten Tag einen neuen Versuch starten. Dafür sich aber abends mal Zeit für sich nehmen, die Akkus wieder auftanken. Effiziente Phasen nutzen und ineffiziente Phasen tolerieren.

 

Bildquelle: CC-BY Harald [ha75] | flickr.com

  • Anke Przybilla

    Das klingt zwar sehr vernünftig, wird aber dann schwierig, wenn man daheim mehr Verantwortung hat als nur für sich selbst. Und ganz schwierig wirds, wenn man nicht mehr hinter der Arbeit steht und dennoch das Geld braucht – eben, weil man auch für andere Menschen Verantwortung trägt. Bis dahin, gebe ich Dir völlig recht.

    • Liebe Anke, da hast Du Recht. Verantwortung für eine Familie haben, bedeutet auch, nicht so leicht mit den Zeitbudgets umgehen zu können, wie ich es im Moment noch kann. Aber ich kenne in meinem Bekanntenkreis viele viele Leute, die noch keine Familie haben und trotzdem kurz vor dem Burnout stehen, weil sie nicht ausgeglichen sind und nicht auf sich achten.

  • Gast

    Ich weiß ich weiß, Du schreibst es aus deiner Sicht, aber ich zum Beispiel arbeite im 3-Schicht Betrieb und da kann ich nicht mal sagen: Och, es läuft grad so gut, ich mach mal bis 21:00 Uhr Dienst…und wenns mal nicht so gut läuft…geh ich eben gar nicht hin.“ Du bist in der glücklichen Lage einen Beruf erlernt zu haben wo solch ein „Verhalten“ in Ordnung ist, toleriert und ermöglicht wird. Viele andere haben nicht das „Glück“, wobei dazu ja jeder selbst auch etwas beigetragen hat (Schulbildung/Ausbildung oder Studium). Ich will nur sagen, das es für einen Einzelnen sicherlich gut möglich ist, seine Balance zwischen Beruf und Privatleben zu finden, ich behaupte aber (ohne es genau zu wissen) das viele diese von Dir beschriebenen Möglichkeiten nicht haben und daran gilt es zu arbeiten, im Verbund mit dem Arbeitgeber, den Gewerkschaften oder dem Gesetzgeber. Das man eben nicht „zurück auf Null“ fällt, wenn man mal ein Sabatical einlegt…oder das man Möglichkeiten bekommt, mal was auszuprobieren, ohne gleich kündigen zu müßen usw usw…
    Ansonsten geb ich Dir aber vollkommen recht :o)

  • U Blindert

    Danke für die Gedanken zur Work-Life-Balance. Ich finde deine Ansätze sehr gut, allerdings bin ich auch ein Fan von arbeitsfreien, klar definierten Phasen: Urlaub heißt dann eben Urlaub, und Wochenende Wochenende. Ich bin selbst Unternehmerin und musste das recht mühsam lernen, aber mittlerweile respektiere ich meine Freizeit wieder besser.

  • Ich sehe es wie du: Der Beruf gehört zum Leben – da lässt sich nichts trennen. Trotzdem kann auch ein Beruf, der Berufung ist, zum Burnout führen. Ich frage mich manchmal, ob nicht einfach der Begriff das Problem ist. Wie wäre es mit „Work-Leisure-Balance“? Dann wird auch klar: Es geht einfach nur darum, zwischendurch mal aufzutanken. Was ja wirklich wichtig ist.

  • Fkndk

    Die Frage ist aus meiner Sicht ist nicht Work and Life, sondern die richtige Kombination aus Anspannung und Entspannung. Dabei kann Arbeit auch Entspannung bedeuten und die Familie Stress oder umgekehrt. Im Prinzip hab ich es immer selber in der Hand, wie ich auf was reagiere. Das ist aber schon die Schwierigkeit in sich. Wenn man das aber beherrscht, das ich selbst bestimme, wie ich auf die Dinge des Tages reagiere, habe ich es geschafft. Ich hab das auch nicht geschafft und mußte durch ein ganz langes Tal gehen, aber mir wurde klar, genau das ist der Schlüssel.
    FK

  • Pingback: Work-Life-Balance()