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Digitale Kommunikation und das tägliche Leben
Tiefpunkt

Aus der Reihe „sinnfreie Studien“: So sollst Du Twittern

8. Februar 2012

In letzter Zeit fallen mir immer wieder Studien in die Hände, bei denen ich nur den Kopf schütteln kann. Mein absolutes Highlight war eine Untersuchung, an deren Ende die Aussage stand: Online-PR ist nützlich für PR … So habe ich beschlossen eine neue Kategorie mit dem Namen „Tiefpunkt“ zu eröffnen, in der ich sinnfreie Studie vorstellen werde. Und das nur am Rande: Es ist gerade Zufall, dass sich viele meiner Beiträge rund um Twitter drehen.

Die Studie, um die es hier geht, stammt von Paul André von Carnegie MellonMichael Bernstein vom MIT und Kurt Luther von Georgia Institute of Technology. Auf die Veröffentlichung der Amerikaner bin ich durch einen Beitrag auf dem Wiwo-Blog von Sebastian Matthes und den vielen Tweets in meiner Timeline aufmerksam geworden.


Viele werden sicher erleichtert sein (Achtung Ironie!), endlich ein perfektes Twitter-Rezept gefunden zu haben. Frei nach dem Motto: „Wenn ich Punkte 1 bis 9 beachte, dann werde ich jede Menge Follower ernten.“

Ich muss Euch alle enttäuschen, so wird das nichts. Warum?

    • weil auf Twitter nicht immer die Aktualität zählt. Ist man Experte auf einem speziellen Gebiet, kann dies die Timeline der anderen Twitterati enorm bereichern. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich gerade den neuesten Klatsch verbreite oder Beiträge twittere, die schon etwas älter sind.

 

    • weil kurze und knappe Tweets zwar schneller aufgenommen werden können, aber nicht immer das sind, was man gerade lesen möchte. Banale Tweets sollen wir laut den Studienautoren auch aus unserem Repertoire streichen. Was ein Blödsinn. Man möge mir auf Basis dieser Erkenntnis bitte @nico’s legendäre „ich fahre U-Bahn“ oder die Absurditäten eines @uarrr erklären.

 

    • weil auch Jammern und Beschweren dazu gehören. Das kommt gar nicht gut, heißt es in der Studie. Nunja hinter einem Twitter-Account steckt immer auch eine Person mit einer persönlichen Geschichte. Wenn diese das Bedürfnis hat, zu meckern, zu jammern oder sich zu beschweren, dann führt das nicht zwangsläufig zu einem Followerschwund.

 

    • weil kryptische Tweets manchmal auch neugierig darauf machen, was sich hinter dem angehängten Link verbirgt. Es muss nicht immer alles klar und sofort verständlich sein.

 

    • weil viele @-Zeichen, Retweets (RT) und Hashtags (#) nicht stören. Viele @s zeigen, dass der Twitterati viel Wert auf den Dialog mit seiner Timeline legt, da kann ich bei Weitem nichts Schlechtes erkennen. Solang die Tweets nicht ausschließlich aus retweeteten Inhalten bestehen, sind RTs nicht lästig. Im Gegenteil: Mit dem Retweeten empfiehlt man die Tweets anderer User seiner eigenen Timeline. Und natürlich sollten die 140 Zeichen nicht 6 Hashtags beinhalten, aber diese sind beliebt – man denke an die Trending Topics.

 

    • weil persönliche Informationen in Tweets dazu beitragen, dass man die Twitterer näher kennenlernt. Die Studie besagt das Gegenteil. Derartige Informationen sollen wir uns bitte verkneifen … Warum? Wer’s nicht lesen will, kann doch einfach auf „unfollow“ klicken und die anderen freuen sich darüber, wieder ein wenig mehr über den anderen erfahren zu haben.

 

Kurzum: Es sollte bitte keiner diese „9 Punkte, um ein erfolgreicher Twitterer zu werden“ verfolgen. Das Motto lautet viel mehr: Sei, wer Du sein willst, aber sei Du selbst.

 

Bildquelle: CC BY-NC-SA 2.0 kristofklee | flickr.com

 

  1. Genau! Sei du selbst. Genau darum macht twittern Spaß, weil Menschen wie du und ich – mit guten und schlechten Tagen – dahinter stecken. Und das ist äußerst gut so :-)

  2. Schietkram, fangen die Amis jetzt an mit so einem Strukturfaschismus? Ich hab das gerade einen kleinen Gag in Vorbereitung, der  dann nicht mehr funktioniert :-( 

  3. Jajaja! Danke. Gerade diese Eigenwilligkeiten machen es doch aus und ich sehe den Menschen hinter dem Tweet. Solche „Handlungsweisungen“ mögen zu Beginn ganz gut sein, wenn man unsicher ist. Aber doch bitte keine Stereotypen aufbauen. Wie ätzend.

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