Titelseiten-Tweets: Was ist eigentlich Euer Problem?

Tweet Welt kompakt

Es gibt immer eine Sau, die durchs Dorf getrieben werden muss, damit im kleinen Örtchen mal wieder etwas los ist. Aber welches Problem nun einige Nutzer damit haben, einen ihrer Tweets in der Printausgabe der Welt kompakt zu finden, kann ich nun wirklich nicht verstehen.

Umso erstaunter war ich gestern, also ich folgenden Tweet der Springer-Zeitung lesen musste:

Meine erste Reaktion war: Schade! Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich mich gefreut habe, als ich vom Abdrucken meines Tweets in der Rhein-Zeitung erfuhr. Also ich fühle mich eher „gebauchpinselt“ als angegriffen, wenn es meine Tweets ins Printerzeugnis schaffen.

 

(Fotografiert wurde der Tweet vom geschätzten Karsten Lucke)

 

Neben Wibke gibt es noch jede Menge anderer #Printtwitter Fans, die sicher denSchritt der Welt kompakt ebenfalls bedauern werden.

Wer twitter, bewegt sich in einem öffentlichen Netzwerk. Außenstehende können jederzeit die Timeline mitlesen, sofern die Tweets nicht geschützt sind – die meisten sind das nicht. In wie vielen Blogbeiträgen wie diesem werden Screenshots von Tweets verwendet? Und es ist noch gar nicht so lange her, dass der Microblogging-Dienst die „Tweets embedden“-Funktion einführte.

Wie Carsten Ullbricht in einem Beitrag erläutert, sind Tweets in der Regel nicht urheberrechtlich geschützt:

Ein einzelner Tweet unterliegt sicher nicht dem urheberrechtlichen Schutz, weil ein solches Sprachwerk nur dann gemäß § 2 UrhG geschützt wird, wenn es die notwendige Schöpfungshöhe (also ein hinreichendes Mass an individueller Gestaltung) erreicht. Davon wird man bei solch kurzen Tweets nicht ausgehen können.

In aller Regel also Entwarnung: Einzelne Tweets sind nicht urheberrechtlich geschützt und können entsprechend frei „gemashed“ werden.

Jetzt handelt es sich bei dem „Übeltäter“ nicht um einen Blogger-Freund, der Tweets auf seiner Seite veröffentlicht, sondern um die Welt kompakt – ein Springer-Medium. Jaja, ich weiß, was ihr jetzt sagen wollt. Man darf diese Zeitung beurteilen, wie man möchte, aber das tut doch nicht wirklich etwas zur Sache.

Solange die Beiträge tatsächlich so abgedruckt werden, wie sie einst ins Internet entsandt wurden, habe ich nichts gegen das Abdrucken meiner Tweets. Anders sieht es aus, wenn, wie im Fall von Tapio Liller, der Wortlaut verändert wird, aber das ist ja wieder eine andere Geschichte.

 

Kurzum. Ich hoffe, die Welt kompakt überlegt es sich noch einmal anders – wie man nach diesem Tweet hoffen darf – , denn ich verstehe wirklich nicht, was eigentlich Euer Problem ist…

Update: Die Zeitung scheint sich noch nicht entschieden zu haben. Dieser Beitrag erschien heute im Online-Auftritt der Welt kompakt.

Update 2: Eine Tradition geht zu Ende und die Welt kompakt erklärt, warum es die Titelseiten-Tweets nicht mehr geben wird.

Update 3: Twitter äußert keine Einwände gegen die Verwendung von Beiträgen. (06.03.2012)

  • Dominik

    Ich finde, dass eine solche Aktion  eher also analoger Retweet anzusehen und damit auch eine Rückmeldung für relevanten Content ist. Deswegen kann ich das Problem auch nicht wirklich fassen. Wenn man nicht will, dass man zitiert wird, dann sollte man nichts sagen ;)

  • Ich stimme Euch (Christine und Dominik) im Kern zu. Wir kennen nur leider nicht die konkreten Vorfälle, die zu dieser Handlung des Verlagshauses geführt haben.

    Vielleicht wollten Personen nicht von diesem Medium zitiert werden? Andere fühlten sich in einem falschen Kontext gehoben? 

    Ich bin ja froh, das es wenigstens einige Printmedien gibt, die nicht nur „Quelle Internet“ als einzige Quellenangabe betrachten. ;)

  • MacSnider

    Ich kann die Aufregung darüber auch nicht nachvollziehen. Ebenso wenig diesen Brief dazu: https://www.facebook.com/notes/kwink/ein-offener-brief-an-welt-kompakt-und-die-axel-springer-ag/10150557168052130

  • Wie ich auch gestern bei Twitter an Frank Schmiechen schrieb: Tweets sind für alle da wenn öffentlich. Ich mag gedruckte Retweets!

  • Das sind Leute, die nicht verstehen wollen (können) was ÖFFENTLICH bedeutet!

  • Ich fand die Praxis, Tweets ohne Rückfrage abzudrucken, sehr unhöflich. Ich denke, gerade im Netz sind Höflichkeit und Respekt aber besonders wichtige Punkte – so viel Zeit muss einfach sein. Warum auch nicht?

    Weltkompakt hat es außerdem leider auch versäumt, die entsprechenden Twitterer zumindest nach Druck zu informieren – das lässt sich dann auch nicht mehr mit „zu viel Aufwand“ oder „ist nicht machbar“ erklären.

  • Ich persönlich hätte kein Problem damit, dass einer meiner Tweets dort abgedruckt wird, immerhin sind meine Tweets ja eh für jeden öffentlich zu sehen. Als das thema gestern aufkam habe ich mir mal einige Tweets zu dem Thema angesehen. Ich denke das Hauptproblem der meisten, die sich beschwert haben, ist tatsächlich, dass man nicht mit Springer in Verbindung gebracht werden will. Davon kann man nun halten was man will. 

    Die simpelste Lösung wäre tatsächlich: Kurz per Twitter um Erlaubnis fragen. 

  • Ich war schon mit den Tweets von zwei meiner Accounts auf der Welt Kompakt. Das einzige, was mich daran gestört hat: Ohne den Hinweis eines netten Twitterers wäre ich von selbst nie darauf aufmerksam geworden. Es wäre zumindest ein netter Schachzug, wenn den Urhebern der abgedruckten Tweets Bescheid gegeben würde.

    Eine kleine Korrektur noch: Tweets können nach einer relativ aktuellen Gerichtsentscheidung sehr wohl urheberrechtlich geschützt sein:
    http://www.intern.de/internet-news/9859-wenn-aus-saetzen-werke-werden-muss-man-mit-tweet-kopien-vorsichtig-sein.html

    Da jedoch eine Quelle angegeben wurde, kann das schonmal nicht das Problem sein. Ich stimme daher Gilly zu, dass hier nur Leute Angst haben, mit Springer in Verbindung gebracht zu werden. Wobei man immer sehen sollte: Wer die Welt Kompakt liest, dem wird das Image von Springer relativ egal sein.

    Sonst würde er die gar nicht in die Hand nehmen.

  • Im Prinzip ist das ja ein stofflicher Retweet. Wo ist also das Problem? Vielleicht liegt es ja daran, dass sich Verlagshäuser mit Zitaten im Web ähnlich anstellen (Google News! Snippets! Snippets!). Und möglicherweise möchte es der eine oder andere Twitter-Nutzer mit den Medien aus dem Hause Springer lieber so halten wie Max Goldt.

  • Also geht es uns doch allen ähnlich. Im Prinzip verstehen wir die Aufregung rund um die Titelseiten-Tweets nicht wirklich. Nett wäre es, wenn die Zeiten denjenigen informieren würden, dessen Tweet in der Zeitung erscheint. Und: Mit dem Hause Springer haben viele so ihre Probleme. Fragt sich nur, wie die Klicks auf den Seiten von Bild, Welt & Co. zusammenkommen und wer die Zeitungen abonniert, aber das ist wieder ein neues Faß :-).

    •  Das ist so nicht ganz richtig – ich finde die Aufregung zum Beispiel durchaus angemessen.

  • Ich war vor einer Weile auch irritiert, einen Tweet von mir komplett mit Profilbild ausgerechnet in der BILD-Zeitung abgedruckt zu sehen. Ich gebe zu, in einer anderen Publikation hätte es mich weniger gestört, über einen Abdruck in manchen Zeitungen würde ich mich freuen. 

    Generell hielte ich es, wie viele andere hier auch, für einen feinen Zug, vorab gefragt oder immerhin in Kenntnis gesetzt zu werden. Zumal diese Inhalte zu kommerziellen Zwecken genutzt werden.

    • Jfwittmann

      Und du denkst twitter macht seinen Dienst aus Menschenliebe ? Irgendwann muß twitter mit den Daten auch mal Geld verdienen.
       

  • Patrick Breitenbach

    Ich finde diese Reflektion in Printemedien ziemlich gut, denn vielleicht kehrt ein bißchen mehr Bewusstsein ein und die Überlegung, was man so öffentlich kommuniziert und  tweetet. 

    Das mögen andere nicht wünschenswert finden, ich halte das für einen wichtigen Schritt Richtung Medienkompetenz. 

  • Ostwestf4le

    Aus meiner Sicht gebietet es der Anstand und die Höflichkeit, den
    Urheber des Tweets auf das geplante Veröffentlichen des Tweets
    hinzuweisen.

    Viele Twitter-Nutzer werden sich von einer Veröffentlichung
    gebauchpinselt fühlen und keine Einwände haben. Wer jedoch damit
    Probleme hat, widersprecht der Veröffentlichung und das Thema ist durch.

    Das Twitter-Universum bietet haufenweise gute Tweets – da sollte es ein Leichtes sein, auf genügend Material zurückzugreifen.

  • Was macht Ihr, wenn Ihr an einer Diskussion bei einer öffentlichen Veranstaltung teilnehmt? Könnte es sein, dass da auch Journalisten dabei sind, die Eure Diskussion interessant finden und das in einem Artikel reflektieren möchten? Und heute kann jeder Blogger journalistisch tätig werden. Oder wollt Ihr lieber konspirativ unter Euch bleiben? Gut, dann sagt es NIEMANDEN, dann postet das NIRGENDWO.

    Was ist mit Twitter? Was ist mit Medienkompetenz, auf die Patrick Breitenbach schon hingewiesen hat? Wollt Ihr unterscheiden zwischen privat, halböffentlich und öffentlich? Ihr könnt es versuchen; allein mir deucht, es wird Euch nicht gelingen. Jeder hat die Wahl: privat oder öffentlich. Was nicht privat ist, kann auf einer offenen Skala nach oben ÖFFENTLICH werden. 

    Welche Zeit in der Welt sollte eine Zeitung haben, die bei einem öffentlichen Event via Storify die öffentlichen mittels Hashtag aggregierten Tweets nun auch im Printmedium publiziert. Sagen wir, 30 Leute haben sich an der Diskussion beteiligt. Wenn ich von allen auf Feedback und Einwilligung warten will, kann ich in gefühlten 3 Wochen den Artikel schreiben. Nur ist er dann eben nicht mehr ganz so aktuell, was meint Ihr?

    Wenn ich etwas auf Twitter, Facebook, Google+ etc. pp. öffentlich poste, dann IST es öffentlich. Und ja, wie auch im realen Leben, wenn ich da etwas (öffentlich) von mir gebe, sollte ich zuvor ein paar Schalter auf „on“ legen, wie Vernunft, Verhältnismäßigkeit, Sinn, Verstand. Ihr kennt das. – Just my 2, ok it’s been a couple more, Cents.

  • Und das Zitieren, Benennen der Quellenangabe ist selbstverständlich bzw. sollte selbstverständlich sein. Hinter jedem Twitter-Account verbirgt sich idealerweise auch ein Impressum. Schaut mal bei mir nach –> @micialmedia :-)

    Klar, wenn wenn ich irgendwo zitiert werden, freue ich mich auch darüber, wenn man mich darüber informiert, gerade auch im Bereich der Fotografie, wo ich ja auch tätig bin. Auf der anderen Seite ist es rein praktisch schwer möglich, dass mir ALLE Instanzen an Zitierungen meiner Wenigkeit bzw. meiner Aussagen oder Produkte zugetragen werden. Hier kommt dann auch wieder Social Media Monitoring ins Spiel ;-) 

  • Danke für die zahlreichen Kommentare! Auf Facebook hat sich gerade übrigens eine sehr lesenswerte (öffentliche ;-)) Diskussion entwickelt. Wer nachlesen möchte, hier entlang: 
    https://www.facebook.com/wibkeladwig/posts/311043798955351

  • Ist Schmiechen eigentlich für die Auswahl des Tagestweets selbst verantwortlich? Dann wäre es in meiner technikoptimistischen Sichtweise doch ganz einfach: @weltkompakt:disqus auf Twitter blocken, dann bleiben die Tweets öffentlich, wären aber speziell für diesen Account nicht mehr zu sehen.

    Oder funktioniert das nur in eine Richtung? Und ja, mir ist klar, daß Herr S. sich den Tweet immer noch uneingeloggt anschauen könnte. Aber hier geht es ja gerade um Anstand und so hätte man ein probat schnelles Testmittel und könnte sich hinter nicht mit „Keine Zeit nachzufragen“ herausreden.

    Das Argument Zeitdruck hin oder her – wenn man schon nicht das Einverständnis einholt, dann könnte man die Person wenigstens über den Abdruck informieren. Daß der Kompakt-Artikel die Springer-Vorbehalte mit keinem Wort erwähnt und nur auf dem Zitatrecht rumreitet, ist schon ziemlich albern.

  • Pingback: Welt Kompakt und das Recht am eigenen Tweet | warndorf.KOMMUNIKATION()

  • Erstmal vorweg: Grundsätzlich habe ich nichts gegen das Abdrucken von Tweets in Zeitungen.

    Aber: Wer sich die Mühe macht, einen Tweet abzudrucken, der sollte doch wohl in der Lage sein, den Urheber des Tweets kurz darüber zu informieren. Technisch gesehen stehen ihm alle Mittel dazu zur Verfügung und es ist bei 10 abgedruckten Tweets ja aich kein Mörder-Aufwand, das umzusetzen.
    Das Medium Internet funktioniert, weil es uns miteinander vernetzt. Wenn jemand etwas über jemand anderen schreibt, so ist es nur höflich, dass man sich verlinkt. Der andere kann dann sehen, dass er zitiert wurde. Selbst wenn es keine direkte Verlinkung gibt (Link setzen), so macht es uns das Internet möglich, dies durch technische Prozesse mitzubekommen. (u.a. Suchmaschinen-Crawling, etc.)
    Nun sind aber nicht alle Internet-Nutzer gleichzeitig auch Leser der Welt-Kompakt und ohne eine Rückverlinkung bekommt man nunmal auch nicht mit, was die Welt oder irgend eine andere Zeiting da so abdruckt. Es ist ja auch nur eine Form des höflichen Umgangs miteinander, den anderen darauf aufmerksam zu machen.

    Deswegen folgender Vorschlag zur Verbesserung:
    Zeitungen drucken den ‚Tweet des Tages‘ nicht nur ab sondern richten sich dafür einen Twitteraccount ein, den sie auf ihrer Webseite einbinden können. Wenn dann morgens mit Erscheinen der gedruckten Ausgabe auch die 10 Tweets auf der Webseite ausgegeben werden, findet automatisch eine Rückverlinkung statt und damit eine Information des Twitterers. Vom Aufwand her ist das ein kleiner Zusatz und gleichzeitig darf sich die Zeitung über mehr Aufmerksamkeit freuen.

  • Die Zeitung hat sich entschieden, die Titelseiten-Tweets einzustellen: 
    http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article13897377/Tweets-des-Tages-Abruptes-Ende-einer-Tradition.html Schade eigentlich, aber die auch hier viel diskutierte rechtliche Perspektive war einer der Gründe.

  • Die Zeitung hat sich entschieden, die Titelseiten-Tweets einzustellen: 
    http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article13897377/Tweets-des-Tages-Abruptes-Ende-einer-Tradition.html Schade eigentlich, aber die auch hier viel diskutierte rechtliche Perspektive war einer der Gründe.

  • Rozana

    Ich muss kurz nachfragen: Von der #weltkompakt findet Ihr es unhöflich, nicht gefragt zu werden, aber wenn Euch jemand einfach in Twitter retweetet, ist es okay? Oder muss ich da in Zukunft auch nachfragen?
    Wo ist da der Unterschied?

    Nett wäre es, die Leute zu informieren, dass sie es mitbekommen. Ja. Aber um Erlaubnis fragen finde ich irgendwie unnötig. Sonst muss ich als Twitterer auch vorab jeden fragen.

  • Also ich hab mich damals auch gefreut, als ich mal einen hatte. (http://wp3.35xxx.de/?p=3842)

  • Dominik