Lasst es uns bitte Internet nennen

Erdmännchen

Was es nicht alles gibt: Facebook-Berater, Xing-Strategen, Twitter-Experten – und alle sind sie Social-Media-Berater. Was die alles Tolles entwickeln: Facebook- & Twitter-Strategien, Xing-Konzepte und ganz wichtig eine Social-Media-Strategie. Es reicht! Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem der Begriff „Social Media“ bei mir Unwohlsein auslöst, und ich ihn einfach nicht mehr hören kann. Daher meine Bitte: Können wir Social Media nicht einfach wieder Internet nennen?

Drei Leute, drei unterschiedliche Begriffsdefinitionen von „Social Media“

Was auch unter anderem beim Round Table des Netzwerkes The Third Club im NRW-Forum in Düsseldorf klar wurde: Alle sprechen von Social Media, aber meinen nicht immer das Gleiche.


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Die einen übersetzen es mit dem deutschen Begriff soziale Medien – da frage ich mich: Welche Medien sind denn bitteschön nicht sozial? Wieder andere bezeichnen mit Social Media fälschlicherweise die sozialen Netzwerke. Diese Liste könnte man jetzt noch beliebig fortsetzen. Eine Definition, die ich persönlich für sehr zutreffend halte, ist die folgende: „Social media is just a term to describe the current state of the internet.“ Und noch ein Satz aus diesem Artikel, der mir ein Lächeln auf das Gesicht zaubert: „It is not about having a social media strategy, it is about aligning social to your business strategy.“

Das große Ganze wird dabei gerne aus den Augen verloren

Viel zu oft habe ich das Gefühl, dass die sozialen Netzwerke losgelöst von allem Anderen betrachtet und Strategien formuliert werden, die nicht berücksichtigen, dass Facebook, Twitter & Co. genau wie eine Pressemitteilung, ein Mailing, ein Blogbeitrag, der Newsbereich einer Webseite oder der Service-Chat ein Instrument sind, um zu kommunizieren – nicht mehr aber auch nicht weniger. Was nützt es, eine Social-Media-Strategie zu haben, wenn diese nicht auf die strategische Ausrichtung des gesamten Unternehmens ausgerichtet ist? Genau. Nichts!

Das Pferd nicht von hinten aufzäumen

Im Idealfall sollte es doch so sein: Ein Unternehmen hat eine strategische Ausrichtung festgelegt. Im nächsten Schritt muss sich die Firma darüber Gedanken machen, welche Mittel – sprich welches Budget – zur Verfügung steht – und welcher Instrumente man sich bedient. Das Internet bietet verschiedene Möglichkeiten, die als Instrument zum Einsatz kommen können. Facebook, Twitter, Blogs oder Webseiten sind nur dafür Beispiele. Das bedeutet: Erst wird eine unternehmensweite Strategie festgelegt und DANN erfolgt die Auswahl der Instrumente. Und nicht: Oh, schau mal, wir sollten auf Twitter und Facebook aktiv werden, wir brauchen eine Social-Media-Strategie.

Und nochmal Chris Heffer:

„I believe that you should not be looking to just create a social media strategy. You should be looking to align social to your business strategy. Instead of thinking what can I do with social media, you should be thinking about how social media can help you do something you are already trying to do – just in a better way.“

Hört auf, über Social Media zu reden

Für diejenigen, die letztendlich die Corporate Blogs, Twitter- und Facebook-Auftritte der Unternehmen betreuen, hat Brian Solis einen ernst gemeinten Ratschlag: „Stop talking about social media!“

Brian Solis weiter: „I’m often asked what advice do I have for social media strategists and managers. While my answer is below, the truth is that we have to stop talking about social media as the catalyst for earning internal support and instead view it as one of the enablers for transformation.“

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Ich nehme den Mann beim Wort. Und wünsche mir: Lasst es uns wieder Internet nennen.

(Bildquelle: CC BY-ND 2.0 Fran Tapia| flickr.com)

  • http://www.onchestra.com/ Michael Krause

    Ohje, wie Du mir aus der Seele sprichst! Musste mich vor Kurzem auch über die unsäglich vielen SOCIAL MEDIA Konferenzen auslassen (siehe http://www.onchestra.com/blog/p/social-media-kongresse-2012). Gibt es ein anderes Thema, das ebenfalls derart oft zitiert, als “auf der Roadmap” tituliert und dennoch so selten richtig umgesetzt wurde? Ich glaube fast, dass nein.

    Grüße aus Stuttgart!
    Michael

  • Siegfried

    Nur Eines: Ich _hoffe_, dass Facebook nicht der Status des Internets ist. Hoffentlich gibt es neben Facebook immer noch ein Internet, das unabhängig davon ist.

  • Oliver Gassner

    Seh ich nicht so.
    Ich finde schon ‘social media barater’ eine gewagte Behauptung, denn ich kenne mich mit einigen Aspekten da sehr gut aus, mit anderen nicht.Als ‘Internetberater’ würd ich mich schon gar nicht bezeichnen.

    • http://www.punktefrau.de Christine Heller

      Jedem seine Meinung :-) 

    • http://www.facebook.com/Schiri Patrick Schneider

      Tja, leider ist “sich auskennen” ja auch noch kein hinreichendes Kriterium für einen Berater. Ich jedenfalls finde, dass Christine mit ihrem Artikel richtig liegt und einen Nerv trifft.

  • http://cluetrainpr.de tspe

    Was ich übrigens auf dem Podium auch sagte: Ich nenne es Internet. Wenn man den Ton des Videos ganz laut dreht und das Ohr dicht an den Lautsprecher hält, kann man es verstehen. ;-)

  • http://blog.1and1.com Andreas Maurer

    Ich dachte immer, das Internet wäre ein Zusammenschluss von Computernetzwerken, die auf Basis des Internet-Protokolls miteinander kommunizieren. So kann man sich irren.

    • http://www.punktefrau.de Christine Heller

      Andreas, von mir aus können wir es auch Social Web oder Online-Kommunikation nennen, mir war es nur wichtig, mal aufzurütteln und diesem Social-Media-Bullshit-Bingo ein Ende zu bereiten…

  • http://twitter.com/TheInfredible Frederik Proß

    Also wir hatten die Diskussion in Anstätzen auf dem Barcamp Stuttgart, der Titel damals war “wann tragen wir (den Begriff) Social Media (endlich) zu Grabe?”. Der  @google-b19d2aa6516a6dbfb2f19d2a798299a8:disqus  war da auch dabei. Ich habe auch massive Probleme mit dem Begriff und wenn es um eine “Berufsbezeichnung” geht verwende ich gern “Berater für (Online-)Kommunikation”. Kommunikation trifft es denke ich ganz gut, da “Social Media” eben genau das ist die Möglichkeit der Kommunikation übers Internet. 

    • Michael Krause | onchestra

      Frederik, bist Du als Online- Kommunikationsprofi unterwegs? Falls ja würde ich mich über eine kurze Nachricht an michael.krause@onchestra.com freuen!

      Grüße aus Echterdingen!
      Michael

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  • http://www.netzkombyse.de/ Henning

    Zwei Daumen nach oben! Als eine Teildisziplin des Marketings hat Social Media in den letzten Monaten, nicht zuletzt durch den Hype einer US-amerikanischen Bubble-Company, einen Boom erfahren. Dies brachte manch kleines und mittelständisches Unternehmen in die Schwierigkeit, zu entscheiden, wie es sich am Werbe-Markt positioniert. 
    Deinen Ausruf, zurück zur ganzheitlichen Betrachtung zurückzukehren, begrüße und unterstütze ich. Das wird den einen oder anderen SoM-Berater vor neue Herausforderungen stellen.

    • http://theinfredible.posterous.com/ Frederik Proß

      Ich stelle mal die Behauptung auf das ernstzunehmende Berater schon immer versucht haben ganzheitlich zu betrachten und zu konzipieren. Jedoch war die Masse der “wir machens jetzt weils in ist” groß, die aber keine wirklichen Kompetenzen in dem Gebiet hatten. Die eben die o.g. “Probleme” verursacht haben.
      Ausserdem ist es nicht nur eine Teildisziplin des Marketing, aber darauf jetzt rumzureiten wäre sehr erbsenzählerisch, und das will ich nicht sein ^^

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  • Alexander Schestag

     Nein, Social Media kann man nicht Internet nennen, da Internet der Begriff für die technische Infrastruktur hinter dem sozialen Phänomen Social Media ist. Das Internet ist eine Reihe von Rechnern, die über TCP/IP-Verbindungen kommunizieren und darüber entweder Dienste zur Verfügung stellen (Server) oder darauf zugreifen (Clients). Social Media “Internet” zu nennen, wäre daher schlicht fasch, da es dort auch Dienste wie DNS gibt, die mit Social Media nix zu tun haben und einfach nur Infrastruktur zur Verfügung stellen, damit das Internet überhaupt funktioniert. Aber wahrscheinlich kommt das von der bei technisch nicht ausgebildeten Social-Media-Beratern mindestens ebenso weit verbreiteten Fehlvorstellung, das Web sei das Internet. Schade. Von Leuten, die im Netz arbeiten, erwarte ich ein Mindestmaß an technischem Know How…

    • http://www.punktefrau.de Christine Heller

      Ich kann die Diskussion um den Begriff “Internet” gut verstehen. Ob wir es nun Internt, Social Web oder Onlinekommunikation nennen, spielt für mich kaum eine Rolle, das Wichtigste ist, Social Media als ein Instrument der Kommunikation zu betrachten und keine Strategien für Instrumente, sondern vielmehr für Zielgruppen zu formulieren. Darum ging es mir in diesem Beitrag. Es gibt zu viele Facebook-, Twitter- und Blogstrategien, die niemandem etwas bringen.

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