Social Media Manager: weder Heilsbringer noch Facebook-Schreiberling

Tweet

Ich sitze vor einer Zeitschrift und lese einen der in letzter Zeit sehr zahlreichen Artikel über DEN Social Media Manager. Beinah in jedem Absatze stocke ich kurz, schüttele den Kopf und lese dennoch weiter. Was dort geschrieben steht, ist so absurd, dass ich nicht aufhören und die Zeitschrift weglegen kann. „Lese einen Artikel über das Berufsbild Social Media Manager & werde den Verdacht nicht los, dass von einem Heilsbringer gesprochen wird …“, schreibe ich genervt auf Twitter.

Langjährige Berufserfahrung gewünscht, wo es praktisch noch keine geben kann

Ja, das ist die eine Seite der Medaille: Berufserfahrung sollte er haben, Facebook, Twitter und Co. muss er quasi im Schlaf bedienen, Community-Management-Erfahrung und eine entsprechende Weiterbildung sollte er vorzuweisen haben. Auf der Wunschliste stehen ebenfalls: HTML-Kenntnisse, Projektmanagement-Erfahrung, Fremdsprachenkenntnisse, Empathie, Flexibilität, Kampagnen- und Markenerfahrung, PR- und Marketing-Know-how, guter Schreibstil, journalistische Erfahrungen, ein funktionierendes Netzwerk in der Online-Szene … (ich könnte diese Liste jetzt beliebt weiterführen)

Wer mein Kopfschütteln bis jetzt nicht nachvollziehen kann, dem sei die Lektüre dieser Stellenanzeige speziell die dort formulierten Anforderungen und gewünschte Berufserfahrung empfohlen. Ich frage mich ernsthaft, wie viele Berufstätige es gibt, die diese Anforderungen in Gänze erfüllen können. Es werden nicht viele sein.

Jeder backt sich den Social Media Manager so, wie er ihn braucht

 

(by @sinnundverstand)

(by @sinnundverstand)

Wir haben ein Problem. Beinah jeder versteht etwas anderes unter dem Berufsbild des Social Media Managers und stellt dementsprechend auch andere Anforderungen an die Bewerber – oftmals vollkommen überzogene Anforderungen, finde ich. Es gibt zwar eine Ausarbeitung des Bundesverbands Community Management, aber die Realität sieht anders aus.

„Wo besteht eigentlich der Unterschied zwischen einem Community Manager und einem Social Media Manager“, würde ich gerne manchmal in die Runde fragen – mit der Gewissheit, kaum einer kann diese Frage richtig beantworten. Ist ja auch egal. Beides sind Berufsbezeichnungen, die „trendy“ sind und die bei Stellenausschreibungen garantiert viele Bewerbungen nach sich ziehen werden.

Halten wir fest: Es gibt viele Auffassungen davon, was ein Social Media Manager alles können sollte. Genauso stark schwankt auch die Bezahlung derer, die diesen Jobtitel tragen dürfen. Schade eigentlich.

Der Social Media Manager ist nicht der Heilsbringer

Der Social Media Manager sollte sein Unternehmen auf dem Weg des digitalen Wandels begleiten und Impulse liefern. Die Fragen, die man sich stellen muss, lauten:

  • Was macht der digitale Wandel und das Social Web mit meinem Unternehmen?
  • Welche Konsequenzen haben diese Entwicklungen für mich als Arbeitnehmer? (Das betrifft u.a. Vertriebsmitarbeiter, den CEO, den Vorstand, die Kommunikations- und Marketingabteilung.)
  • Was bedeutet dies für meine Produkte oder Dienstleistungen?
  • Welchen Einfluss hat dies auf meine Zielgruppen, Geschäftspartner bzw. Konsumenten?

Und noch etwas: Der Social Media Manager kann seinen Job nur so gut machen, wie das Unternehmen bereit ist, sich, bestehende Strukturen und Hierarchien zu verändern. Nein, der Social Media Manager ist kein Heilsbringer, aber er sollte mehr tun, als – salopp gesprochen – Inhalte auf Facebook zu veröffentlichen.

  • ich habe mir auch ein paar Gedanken dazu gemacht – mein Gastkommentar dazu auf CHIP Online: http://blog.chip.de/business-blog/2013/04/18/berufsbild-social-media-manager-ist-gefragt-ernsthaft/

  • Sehr schöner Artikel mit guten Beobachtungen. Ich würde sagen, der Beruf des Social Media Managers ist so vielfältig wie die Möglichkeiten von Unternehmen, Social Media einzusetzen. Für die einen bedeutet es, ab und zu etwas bei Facebook zu posten, für andere bedeutet es, vorallem über Gewinnspiele Traffic auf die Webseite zu bekommen, wieder andere suchen tatsächlich Dialog im Netz. Sie fungieren auch als Community Manager. Hinzukommt, dass das Thema Social Media mal von der PR-Abteilung, mal von der Personalabteilung, mal von ganz oben und mal von der Marketingabteilung vorangetrieben wird. Entsprechend fällt die job description aus. Social Media sind weder Allzweckwaffe noch Allheilsbringer. Social Media sind was man draus macht. Das Feld ist so wandelbar, dass ich mich Frage, lohnt es sich überhaupt ein Berufsbild zu definieren? Telefonistinnen gibt es heute auch nicht mehr. Das Berufsbild der Sekretärin ist auch am Sterben. Sie sind heute Team Assistenten oder Office Managerinnen. Entscheidend wird sein, Qualifikation und Erwartungen für den jeweiligen Job in Einklang zu bringen. Und Anforderungen entsprechend zu honorieren.

  • Guter Artikel. Diese Gedanken gehen mir auch regelmäßig durch den Kopf: Wie kriegen wir es hin, das Heilsbringerbild von Social Media Managern zurechtzurücken?

    Social Media Manager, die ihren Namen verdienen, sind eben Manager. Da geht es aus meiner Sicht darum, alles, was mit Kommunikation im Social Web zu tun hat, für das Unternehmen zu regeln, zu organisieren, zu koordinieren. Eben zu managen. Dabei muss diese Person nicht die Kanäle befüllen – bestenfalls leitet er oder sie die Akteure im Unternehmen dazu an.

    Ich finde es geht mehr darum, die Entscheider und Mitarbeiter des Unternehmens anzuleiten, zu unterstützen, die Leitplanken zu setzen. Wenn das Ganze dann in Guidelines, Regelwerken und ähnlichem mündet: gut!
    Das in der Praxis SMM auch das Gesicht des Unternehmens in den sozialen Netzwerken repräsentieren, ist zwar nachvollziehbar und praktikabel. Wenn man’s aber mal trennscharf definiert, fände ich diese Aufgabe eher den Community Managern oder PR-Experten zuzuschreiben.

    Übrigens nebenbei: Social Media Experten, die von extern her Unternehmen beraten, würde ich nicht Social Media Manager nennen, sondern Social Medie Berater. Dann gibt’s auch da ’ne saubere Trennung.

  • jke

    Gut, die sechs Jahre Erfahrung sind für die meisten wohl etwas übertrieben, aber in solchen Stellenanzeigen steht meistens auch nur das was der Wunschkandidat idealerweise mitbringen sollte. Nach dem Motto „nix muss, alles kann“. Die Kunst ist es doch, sich nicht davon abschrecken zu lassen und trotzdem zu bewerben.

    +1 zum letzten Absatz mit der Bereitschaft der Unternehmen.

  • socialmediaDACH

    Wir halten den Beitrag im Kern zwar nicht für unzutreffend, aber das Kopfschütteln können wir nicht ganz nachvollziehen. Vielleicht einfach noch mal sorgfältig auch die Stellenbeschreibung lesen, dann sieht man, dass Siemens hier eben gerade nicht einen Feld-/Wald- und Wiesen – SocialMediaManager sucht, sondern eine mit sehr viel Verantwortung ausgestattete Stelle besetzen möchte. Insofern ist gemessen am allgemeinen Social Media Sprachgebrauch der Begriff „Social Media Manager“ vielleicht nicht richtig gewählt, die formulierten Anforderungen entsprechen aber durchaus der Stellenbeschreibung. Und es gibt auf dem Markt in der Tat Leute, die diesen Anforderungen entsprechen, dann darf man sie doch auch suchen, oder ?
    Übrigens lässt sich gerade anhand dieser Stellenbeschreibung auch sehr schön der Unterschied zwischen dem Social Media Manager und dem Community Manager nachvollziehen, ohne die ebenfalls ziemlich griffigen Definitionen bei Wikipedia bemühen zu müssen.
    Fazit: Eine gewisse Qualifikation darf schon sein und auch gefordert werden. Nach unseren Erfahrungen ist dabei auch eine „herkömmliche“ Berufsausbildung – jenseits täglich neu erfundener und nicht selten wenig griffiger Social Media Kriterien – eher von Vorteil, als nachteilig.

    • Siemens zeichnet den Social Media Manager hier als das, was er sein sollte: Koordinator der Social Media Aktivitäten und Berater aller Unternehmensbereiche. Daran habe ich nichts auszusetzen. Meine Anmerkung war: die skizzierten Anforderungen und die gewünschte Berufserfahrung ist meiner Meinung nach zu hoch. Mehr habe ich nicht gesagt ;-)

  • Die Stellenausschreibung lautet auf Manager Social Media, nicht „Social Media Manager“. Das Manager ist voran gestellt. Deshalb gehe ich davon aus, dass es sich eben tatsächlich um eine Manager-Stelle handelt. Und eben nicht ein „Wir nennen uns mal so, weil’s toll klingt“-Manager gesucht wird.
    Klar ist das überall anders, aber vom Berufsbild ist der Manager zwischen Senior Associate und Director angesiedelt.
    Dass die Anforderungen auf eine eher kleine Personengruppe zutrifft, ist Siemens sicher bewusst. Bei der Ausschreibung für einen BER Flughafenausbau-Manager war die Zahl der potentiellen Kandidaten aber noch kleiner. Trotzdem wurde jemand eingestellt. ;-)

    • henrym

      Was soll denn diese Wortklauberei? Ob „Manager“ (was immer man darunter versteht) oder nicht – Es geht doch hier um was völlig anderes.

  • Pingback: Was macht eigentlich ein Social Media Manager? | kreimer.de()

  • Pingback: Unternehmen brauchen das Social Media Department – ffluid()

  • Pingback: Unternehmen brauchen die Social Media Abteilung – ffluid()

  • Pingback: Daily Reader, 22.04.2013 | Linksmith | Verkettungen schmieden()

  • Dennis Klehr

    Auch ich möchte hier mal meinen Senf dazu geben. Der Artikel trifft genau den Punkt. Kompliment dafür. Vor allem fühle ich mich in meiner Meinung bestätigt. Leider ist in vielen Unternehmen noch nicht so richtig angekommen, welcher Aufgabenbereich die Stelle eines Social Media Managers eigentlich umfasst. Zwar sollte man auch einen einiger Maßen guten Schreibstil besitzen, ist es aber nicht viel wichtiger zielgruppengerecht zu kommunizieren? Es bringt doch nichts, wenn ich bspw. gute Presseartikel schreiben kann, eigentlich aber Schüler oder Auzubildende ansprechen möchte. Diese werden sich in diesem Fall bestimmt nicht sonderlich angesprochen fühlen.

    Ich selbst bin Social Media Manager und habe immer wieder das Problem meinen Kolleginnen und Kollegen, Freunden und Bekannten zu erzählen, was ich eigentlich jeden Tag auf der Arbeit mache. Ehrlich gesagt ist das Veröffentlichen von Inhalten ein ziemlich kleiner Teil meiner täglichen Arbeit. Viel wichtiger ist es, das Social Web nach Inhalten über unser Unternehmen zu „durchforsten“ und auf Beiträge in anderen sozialen Netzwerken zu reagieren. Vor allem aber die Abstimmung unserer Redaktion bedarf sehr viel Zeit und Energie. Denn wer erfolgreich in sozialen Netzwerken kommunizieren möchte, sollte eine genaue Vorstellung seiner Zielgruppe besitzen und diese natürlich kontinuierlich mit Informationen auf dem Laufenden halten.

    Vor allem aber sollte einem Social Media Manager die Zeit und Möglichkeit gegeben werden neue Netzwerke auszuprobieren, damit dieser entscheiden kann, in wie weit die Social Media Strategie des Unternehmens verbessert bzw. ereitert werden kann.

  • Pingback: Fundstücke der Woche (15. 04. 2013 – 21. 04. 2013) | Social Media und weitere Alltäglichkeiten()

  • Benjamin O’Daniel

    Der Social Media Manager sitzt meiner Meinung nach zwischen drei Stühlen: PR, Marketing, IT. Und diese drei Abteilungen – besonders Marekting und PR – sind sich nicht selten spinnefeind… Dazu kommen weitere Fachabteilungen wie die Personalabteilung.

    Auch von den Skills her gibt es unterschiedliche Vorstellungen: Mal soll es ein Kreativer sein, der Kampagnen entwickelt. Mal ein Stratege, der eine Community aufbaut und neue Zielgruppen erschließt. Mal ein Sachbearbeiter, der Meldungen im Internet veröffentlicht. Und mal ein IT-Techniker, der WordPress und HTML kann. Alle vier Varianten sind mir schon begegnet.

    Da ist noch ziemlich viel Klärungsbedarf. Für Arbeitgeber und für netz-affine Arbeitnehmer. Aber auch für die Hochschul- und Weiterbildungslandschaft. Sonst werden massenweise Social Media-Fachkräfte mit unpassenden Skills produziert, für die es nachher überhaupt keinen Bedarf gibt.

  • Patrick

    Meine Mutter: „Social Media Management also… das war das, wo man den ganzen Tag nur Facebook macht, richtig?“ :D

  • Pingback: Was macht eigentlich ein Social Media Manager? » Sebastian-Wendler.de()

  • Pingback: Die Sache mit den Social Media Managern | warndorf Konzept, Text & PR()

  • Pingback: Social Media Manager – Kein Job, den man „mal eben“ nebenher macht – echtzeitig.com()