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Digitale Kommunikation und das tägliche Leben
Punktlandung

Heimat ist nicht nur ein Ort, Heimat ist ein Gefühl

16. August 2013

In Battenhausen, im schönen Nordhessen, 325 Einwohner – Tendenz eher sinkend… –, gibt eine Kneipe, eine Telefonzelle, einen Briefkasten, eine Durchfahrtsstraße, zwei Bushaltestellen, zwei Kaninchenvereine, einen Skilift, einen Sportplatz, natürlich auch Häuser, einige Bauernhöfe und rings herum den Kellerwald – Natur pur. Das ist der Ort, an dem ich aufgewachsen bin, in dem meine Großeltern am anderen Ende des Dorfs wohnen, wo jeder jeden kennt und es immer mindestens vier bis fünf Grad kühler ist als im Rheinland. Christian nennt diesen Ort daher liebevoll „Hessisch Sibirien“. Doch dieser Ort ist mehr als nur ein Ort. Er ist meine Heimat. Und Heimat ist vor allem ein Gefühl, ein Gefühl zu wissen, hier sind meine Wurzeln, hier komme ich her. Klingt poetisch. Ist aber so!

Das Verhältnis zu diesem kleinen, beschaulichen Örtchen hat sich während meines Lebens immer wieder geändert. Als Kind war es toll, draußen toben zu können, Hütten im Wald zu bauen, zu Fuß zu Oma und Opa zu spazieren, den Nachbarn Streiche zu spielen und im Bach Staudämme zu bauen. Da machte es auch nichts, dass der Bus mich morgens in den Kindergarten und mittags zurückbrachte. Das war auch während der Schulzeit kein Problem. Doch dann kam die Zeit, an die ihr euch sicher auch noch gut erinnert. Die Zeit, in der man als Teenager gerne etwas mit Freunden unternimmt und etwas trinken geht. Es galt dann immer – unter dem tollen Einsatz meiner Eltern, die mich wirklich überall hin gefahren haben – die Distanz zwischen Battenhausen und der Kleinstadt Bad Wildungen zu überbrücken. Das hat mich als Teenager furchtbar genervt. Immer diese Fahrerei und Abhängigkeit von den Eltern. Diese Tatsache hat auch meine Einstellungen zu meinem Heimatort geändert. Die Abgeschiedenheit, die ich als Kind sehr genossen habe, weil sie mir viele Freiheiten ermöglichte, war nun eher eine Last. Sehr oft verfluchte ich es, nicht wie viele meiner Freunde in der Stadt und dafür auf einem „Kaff“ zu wohnen. Mit dem Führerschein kam dann aber der lang ersehnte Befreiungsschlag.

Mit meinem Auszug und dem Beginn meines Studiums in Siegen lernte ich meine Heimat noch einmal von einer ganz anderen Seite kennen: Hier her kam ich, um meine Familie zu besuchen, mich zurückziehen, einmal durchzuatmen. Manchmal muss man eben einen Schritt zurücktreten, um die wahre Schönheit der Dinge zu entdecken. Klingt übertrieben? Ist aber so! Wohnt man 19 Jahre an einem Ort, sind Landschaft und Umgebung selbstverständlich geworden. Das ist heute anders! Es ist aber nicht nur die schöne Landschaft, die ich inzwischen besonders zu schätzen weiß: Wenn wir von Köln nach Battenhausen fahren, ist es immer eine Reise zu meinen Wurzeln. Wenn ich in unsere Straße einbiege, dann stellt sich dieses große Geborgenheits- und Sicherheitsgefühl ein – hier komme ich her. Beinah jeder Winkel des Ortes ist mit Erfahrungen und Erlebnissen aus der Kindheit verbunden. An dem Baum an der Bushaltestelle haben wir früher Cowboy und Indianer gespielt. Auf dem Sportplatz haben wir mit der Mädchenmannschaft viele fußballerische Niederlagen einstecken müssen. Auf dem Feuerwehrteich haben wir im Winter, wenn er komplett zugefroren war, gespielt.

Heimat ist für mich dort, wo die Familie immer wieder zusammen kommt. Wenn wir gemeinsam sonntags bei meinen Großeltern Kaffee trinken, dann sind das Momente, in denen ich die Zeit anhalten möchte.

Heimat ist für mich nicht nur ein Ort, sondern ein Gefühl. Ein Gefühl der Geborgenheit, ein Ort an dem ich aufgewachsen bin und wo meine Wurzeln liegen. Ich komme gerne hierhin zurück, um eben jenes Gefühl zu spüren und meine Familie zu besuchen. Dieses Gefühl wird immer an diesem Ort bleiben, egal wo ich wohne und wie alt ich bin.

(Anmerkung: Das ist wohl der kitschigste Beitrag, den ich je geschrieben haben, aber ich mag ihn :-))

(Mit diesem Beitrag nehme ich an der Blogparade „Was ist eure Heimat“ von @katjazwitschert teil.)

  1. Ein Beitrag voller Wahrheit. Ich kann dieses Gefühl „Heimat“ nachvollziehen. Nur wenige Kilometer von Battenhausen entfernt zeigte sich bei mir genau das gleiche Beziehungsmuster zu unserem Dörfchen (tolle Kindheit – schlimme Teenagerzeit – und im Studium kommt man doch gern zurück). Scheinbar muss man erst wegziehen, um gern wiederzukommen.

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