Das Schweigen im Blog – ein Erklärungsversuch

(Bildquelle: (CC BY-NC-SA 2.0)BY Tombografie | flickr.com)

Nach einem Blick auf das Datum des letzten Blogbeitrags lässt sich nicht leugnen, dass hier in den letzten drei Monaten nicht viel – ehrlich gesagt – gar nichts passiert ist. Ein 3-wöchiger Urlaub im Dezember und beruflich jede Menge Arbeit haben sicher zu diesem Ergebnis beigetragen – aber eben nur beigetragen.

Hand aufs Herz. Ich habe aber die letzten drei Monate schlicht keine Lust gehabt, den X. Beitrag über die unsäglich widerliche Lanz Petition – die mehr Menschen unterzeichnet haben als die Petition gegen die Vorratsdatenspeicherung – , über die Rolle des Social Media Managers – von dem ich glaube, dass es ihn in einigen Jahren nicht mehr geben und er auch nicht mehr gebraucht wird – , über die Filterblase – hier möchte ich Katja gerne zitieren: „Die einzig akzeptierbaren Blasen sind die in der Knallfolie. #Filterblase #nurmalso“ – oder über dieses Content Marketing zu schreiben, von dem so viele reden. Ich persönlich habe das Gefühl, davon gibt es genug. Doch das ist es nicht alleine.

Die Filterblase ist übrigens noch ein gutes Stichwort:

t3n hat mich kürzlich nach meinen Megatrends für das Jahr 2014 gefragt. Ich habe geantwortet, dass ich mir weniger Selbstreferenzialität und mehr Selbstreflexion wünsche. Vielleicht wird dieser Wunsch ja (noch) erfüllt. Denn in der letzten Zeit ertappe ich mich relativ häufig dabei, sehr schnell auf den Feedly-Button „Artikel als gelesen markieren“ zu drücken. Täglich kündige ich RSS-Abonnements um dann wieder neue hinzuzufügen. Das ist unbefriedigend, sehr unbefriedigend. Am Ende steht wahrscheinlich die Konsequenz, nach neuen Quellen und damit auch neuem Input zu suchen.

Und dann ist da noch diese vergiftete Stimmung. Mit einem rauen und manchmal auch verletzenden Ton wird in Blogs, auf Twitter oder Facebook auf andere Menschen losgegangen, sie werden öffentlich beschimpft, gedemütigt und ihnen wird übel nachgeredet. Es fallen Äußerungen, die mir online äußerst schwer und in einem persönlichen Zusammentreffen erst recht nicht über die Lippen gehen würden. Mir ist schon klar, dass hier nicht immer alles Friede, Freude, Sonnenschein ist, aber so? Manchmal klappe ich angewidert den Laptop wieder zu oder lege das Smartphone zur Seite. Ich kann einfach nicht verstehen, was Menschen dazu bewegt, sich so zu verhalten. Es scheint, als hätte einige verlernt, sich im Social Web „social“ zu verhalten. Diese Stimmung führt bei mir dazu, dass ich keine Lust habe, Diskussionen mit eigenen Artikeln zu befeuern. Ich gehe lieber einen Schritt zurück und schreibe einen Beitrag nur für die Ablage „P“, statt Öl ins Feuer zu gießen. Klingt komisch? Ist aber so!

Das klingt jetzt fast schon ein wenig zu philosophisch, aber letztlich gibt es immer mal wieder Situationen im Leben, in denen sich der eigene Blick auf die Dinge verändert. Vielleicht stehe ich gerade an so einem.

(To be continued …)

 

(Bildquelle: (CC BY-NC-SA 2.0)BY Tombografie | flickr.com)

  • Astrid Krampe

    Hm. Wie mit vielen wunderbaren Sachen, so ist es auch mit den Social Media: erst versteht’s keiner, dann finden es alle toll, die hip sein wollen, danach wird’s kommerzialisiert (Content is King…, denn Google will es so) und letztlich wird es so alltäglich, dass einzelne Personen ihr ungehobeltes Verhalten daran austoben (Lanz-Petition). Genau da stehen wir jetzt. Mich widert die aktuelle Entwicklung auch an, aber wenn man daran glaubt, dass Geschichte zyklisch ist, war sowas hier vorhersehbar. Macht es auch nicht besser, schon klar. Ich glaube, dass es auch im Netz letztlich darauf hinauslaufen wird, dass sich alles zu eine hierarchische Gesellschaftsstruktur verdichtet und jeder sehen muss, wo er / sie stehen will. Dass der Mob gewinnt, glaub ich kaum, denn Masse allein hat noch nie gereicht. Es muss schon auch nen bisschen Schläue dabei sein – oder Geld, denn dagegen kommen selbst die Gedanken nicht an. Nur so als kleine philosophische Mitmischung.

    • http://www.punktefrau.de/ Christine Dingler

      Danke dir Astrid :)

  • Nina Kalmeyer

    Dein Artikel spricht mir aus dem Herzen, Christine. Ganz ähnlich geht es
    mir gerade – mein letzter Blog-Artikel ist von Anfang September letzten
    Jahres und hatte den Titel “Es ist doch alles gesagt” – Auch ich habe
    seitdem mehrere Artikel geschrieben, sie aber dann doch nicht ins Blog
    gestellt. Meine Gründe dafür sind Deinen sehr ähnlich. Auch an vielen
    Diskussionen habe ich keine Lust mehr mich zu beteiligen: zu banal, zu
    aufgeregt, zu wenig selbst reflektiert. Was mich an der ganzen ‘Blase’ am
    meisten irritiert, ist, dass man sich immer mehr von den
    Menschen/Kunden und deren Fragen und Anforderungen entfernt. Hier
    findet keine Augenhöhe statt und nur ganz selten werden die Leute dort
    abgeholt wo sie wirklich sind, und wenn, dann werden sie nicht
    mitgenommen sondern banales Zeug verhökert. Zugehört wird meistens
    gar nicht – so wird das nichts mit dem Dialog, oft ist das ja auch
    gar nicht gewollt. Deshalb gilt für mich augenblicklich: Lieber gehe ich mit meinen Kunden in unseren Projekten Schritt für Schritt voran, als das xte Mal über ein Thema
    einen Beitrag zu schreiben zu dem eh schon alles gesagt aber viel zu
    wenig wirklich umgesetzt wurde – und vielleicht fange ich auch bald an
    wieder zu schreiben, aber dann mit Themen aus dem Projektalltag.

    • http://www.punktefrau.de/ Christine Dingler

      Irgendwie beruhigend, dass mir nicht alleine so geht … ;)

  • Pingback: Ärgern ist aus | hirnrinde.de

  • Kurzundknapp

    Die Entwicklung notiere ich auch, aber ich blende sie für mich aus und beteilige mich gar nicht daran, weil sie einfach nur nervt.
    Nur, was bei mir der Fall ist: ich habe beruflich absolut nichts mit Content Marketing, diesem Social Media Gedöns und so zu tun und komme so auch gar nicht in die Verlegenheit, etwas hierüber schreiben zu müssen.

    Gerade weil in letzter Zeit soviel Gleiches geschrieben wird, ist es für mich umso erfrischender, Blogs zu lesen, die über Dinge aus dem Alltag erzählen oder aus meiner Heimatstadt Hamburg. Und so ist in den letzten Wochen abseits allen Petitionsgebrülls eine wunderbare Bereicherung meines Hamburgs-Blogs entstanden und auch bei meinem zweiten Blog, den über Hamburgs Brücken, ist ein so tolles Netzwerk entstanden, dass es mir zurzeit soviel Spaß wie noch nie macht.

    Aber: auch ich klicke vermehrt “als gelesen markieren” im Feedly – hier aber in meinem Ordner, indem ich vor allem die Blogs der “Großen” oder derjenigen drin habe, die beruflich was mit Medien zu tun haben. Das ist mir zurzeit alles zu negativ.

    Stattdessen lese ich hauptsächlich positive Blogs und da bin ich immer fündiger geworden.

    Lies doch einfach bei mir, das heitert vielleicht deine Stimmung auf :-)

  • Andreas K.

    Wenn nichts zu sagen ist, muss man das auch nicht erklären. Ich mach selber auch lange Pausen.

  • socialmediaDACH

    “Social Media” heißt u.a. auch die Freiheit, mal nichts zu sagen, wenn man nichts zu sagen hat oder einem einfach die Lust dazu fehlt. Dass demgegenüber propagiert wird, man müsse soundsooft veröffentlichen, um nicht in Vergessenheit zu geraten oder – noch schlimmer – nicht in irgendeinem undurchsichtigen Score nach unten zu rutschen, führt zur unglückseligen Verbreitung von Automaten, die einem die Timeline und die Feeds zumüllen. Oder zu uns unverständlichen Initiativen, sich in Gruppen zusammenzuschließen, in denen für den Fall der Nichtveröffentlichung selbst auferlegte Strafen bezahlt werden müssen.
    “Content is King” hat sicherlich seine Berechtigung, viel wichtiger ist u.E. aber “Quality is Queen”.
    In diesem Sinne: Vollstes Verständnis für diesen Beitrag.

  • Stephan Mayer

    Hallo Christine!

    Wow! Auch mir spricht dein Artikel aus
    dem Herzen! Ich habe jetzt sehr lange Zeit die Veröffentlichung des
    Artikels über dich herausgezögert. Warum? Ich hatte (und habe) bei
    http://www.socialmedia-blog.net
    auch immer den Anspruch, über etwas zu schreiben, das bisher im
    (deutschsprachigen) Web noch nicht erwähnt wurde. Bei den vielen wirklich hochwertigen (Social Media und Online Marketing) Blogs, die es mittlerweile in DACH gibt, finde ich das immer schwieriger. Auch ich habe den
    Eindruck, dass ganz besonders, was das Thema „Personal Branding“
    angeht, sehr vieles schon gesagt worden ist. Daher finde ich es
    im Moment wirklich einfacher, über China-spezifische Themen zu bloggen,
    da ich den Eindruck habe, dass es da, zumindest, was das deutschsprachige Web, angeht, eher wenig Berichterstattung gibt.