Meine 10 Lieblingsorte auf Sri Lanka

Die Entscheidung, den Sommerurlaub auf Sri Lanka zu verbringen, entstand eher zufällig. Nachdem Island wegen der im Sommer immer noch frischen Temperaturen und Skandinavien wegen der horrenden Preise nicht in Frage kamen, suchten wir nach einem Urlaubsziel, das warme Temperaturen sowie einen guten Mix aus Kultur und Traumstränden zu bieten hatte. So viel ist sicher. Sri Lanka hat uns nicht enttäuscht – im Gegenteil. Nach knapp 2 Wochen, die wir nun wieder in Deutschland sind, lassen mich das Land und die Leute nicht los. Selten habe ich mich in einem Land so wohl, mit den Menschen so verbunden und am Ende so erholt gefühlt. Ich möchte euch in diesem Beitrag meine 10 Lieblingsorte auf der Insel vorstellen.

 

  1. Galle – Gebäude der Kolonialzeit

Wir landen am Flughafen in Colombo. Die Glastür des Flughafens öffnet sich und da ist sie auch schon, die Schwüle – ein Gemisch aus 36 Grad warmer Luft und einer guten Portion Luftfeuchtigkeit. Wir haben das Glück und steigen in das klimatisierte Auto von Karens Mann und dem befreundeten Fahrer ein, statt nun erst mit dem Taxi vom Flughafen zum Hauptbahnhof und von dort aus dann mit dem Zug vier Stunden in das 155 Kilometer entfernte Mirissa zu fahren. Karen saß im Flugzeug neben mir und belächelt unsere Idee, nach über 11 Stunden Flug noch 4 Stunden mit der Sri Lankischen Bahn gen Süden zu fahren und bietet uns an, mit ihr im Auto zu fahren. Ich bin zu müde ihr zu widersprechen – zum Glück. Nach 3 Stunden erreichen wir Mirissa – einen süßen, kleinen Küstenort im Süden der Insel. Unterwegs lernen wir, dass Sri Lanka eigentlich auch Sri Langsam heißen könnte. Wir lächeln erfreut. Hört sich nach Entschleunigung an, das wollten wir ja. In Mirissa wartet die bereits gebuchte Unterkunft mit Meerblick (keine 4 Meter entfernt) auf uns. Die kommenden Tage haben viel mit Strand, auf der Terrasse sitzen und Lesen zu tun. Bloß nicht zu viel bewegen – wir sind die Temperaturen und Luftfeuchtigkeit noch nicht gewohnt. Bei einem unserer Strandspaziergänge begegnen wir einem Waran, doch statt ihn zu fotografieren, jage ich ihn mit meinem Aufschrei davon.

Galle, Sri Lanka

An einem unserer letzten Tage in Mirissa wagen wir unsere erste Fahrt mit den lokalen Bussen. Die Busse halten nicht selbstverständlich in den immerhin vorhandenen Haltezonen, man muss sich schon durch Winken und andere Gesten bemerkbar machen. Und beinah noch wichtiger: Man sollte schnell einsteigen. Sobald ein Fuß in der Tür ist, ist das für den Fahrer das Zeichen, dass er sofort losfahren kann. Dafür, dass der Fahrgast auch wirklich einsteigt, ist er selbst verantwortlich. Im Bus dröhnt indischer Pop aus den großen Boxen im Bus. Die Musik wird nur durch das hektische Hupen des Busfahrers unterbrochen. Sein Fahrstil lässt sich nur dadruch erklären, dass er als Buddhist an die Wiedergeburt glaubt. Für uns bedeutet diese Art des Fahrens Stress – zumindest für die ersten 4 Busfahrten. Der Busfahrer dreht die Musik noch etwas lauter. Alle sind gut gelaunt und drängen sich auf die 2er und 3er Sitze des Busses, auf die allerdings nur ein beziehungsweise zwei Personen unserer Größe Platz finden. Unser Ziel ist Galle (Gohl ausgesprochen), genauer gesagt die 36 ha große Festung, die 1663 von den Niederländern erbaut wurde. In ihrem Inneren reihen sich Cafés, Restaurants, Hotels, Boutiquen und Ateliers aneinander. In vielen Seitenstraßen fühlt man sich wie in Amsterdam – traumhaft. Bei gutem Wetter lädt die Mauer, die das Fort vom Rest der Stadt trennt, zu einem Spaziergang ein. Wir bevorzugen allerdings die Nähe zu den Cafés und Geschäften, um, wenn nötig, vor dem nächsten Regenschauen flüchten zu können. Nach 5-stündiger Erkundungstour steigen wir (dieses Mal schon selbstbewusster) in den Bus ein und fahren zurück nach Mirissa.

 

  1. Das Hochland rund um Ella – Teeplantagen so weit das Auge reicht

Nach zwei erfolgreichen Busfahrten ohne größere Probleme werden wir mutiger. Wir beschließen den Weg ins Hochland mit dem Bus zu bestreiten. In Foren lesen wir, dass wohl ein Bus vom benachbarten Matara direkt bis Ella durchfahren soll. Von Mirissa nach Matara nehmen wir ein TukTuk und steigen in den Bus nach Ella. Ehrlich gesagt zweifele ich beim Einsteigen in den Bus weniger daran, dass wir am gewünschten Ziel ankommen, als dass ich eine 4-5 stündige Busfahrt ohne Pippi-Pause überstehe. Um das kurz vorwegzunehmen: Es ist in beiden Fällen gut gegangen. Im frühen Abend erreichen wir Ella und unsere Unterkunft etwas abseits der Stadt mit einem fantastischen Blick über das Tal und die Berghänge, die über und über mit Teeplantagen bedeckt sind. Das Frühstück am nächsten Morgen genießen wir auf der Terrasse mit einem atemberaubenden Blick.

Ella, Sri Lanka

Die Luft ist hier auf 1.000 Meter ü.N. nicht mehr ganz so schwül, genau richtig, um eine Wanderung auf den Little Adams Peak und den Wasserfall entlang der Bahnstrecke zu unternehmen. Auf dem Rückweg vom Little Adams Peak machen wir dann auch die Bekanntschaft mit einem weiteren Bewohner der Insel: einer Schlange. Mit dem nötigen Respekt warten wir, bis das Tier auch ganz sicher im Gebüsch verschwunden ist und setzen dann unsere Wanderung fort. Abends belohnt uns Ella mit einem wolkenlosen, klaren Himmel und einem Sternenzelt, wie man es in Deutschland nur selten zu Gesicht bekommt. Der Tanz der Glühwürmchen vor unserem Fenster macht auch diesen Abend perfekt. Einen Tag später unternehmen wir mit dem Zug einen Tagesausflug nach Nuwara Eliya. Die Zugstrecke zwischen den beiden Orten im Hochland gehört zu den schönsten auf Sri Lanka und das nicht ohne Grund. Rund 2 ½ Stunden schlängelt sich der Zug mit maximal 40 km/h über Brücken und an Berghängen entlang. Ich muss während der Fahrt daran denken, wie sehr ich mir wünschte, mein Opa könnte jetzt hier sein. Er, der er früher Dampflokomotiven gefahren hat, wäre von dieser Fahrt sicher begeistert.

 

  1. Lighthouse Point – endloser, unberührter Sandstrand

Schweren Herzens verlassen wir einige Tage später Ella, das Chill Café, die Teeplantagen und das Restaurant mit den leckeren Kottu Rottis. Weiter geht es an die Ostkünste der Insel, genauer gesagt nach Argugam Bay – einer DER Surfer Hotspots des Landes. Hier drehen sich die Uhren etwas schneller. Die Preise der TukTuck-Fahrer sind höher als in Ella, den Service, dass der Fahrer den Rucksack im TukTuk verstaut, gibt es hier nicht und nicht alle Unterkünfte halten das, was sie versprechen. Nachdem wir die reservierte Unterkunft enttäuscht wieder verlassen, finden wir dann doch noch eine annehmbare Bleibe für die nächsten Tage. Der Blick aus dem Restaurant auf das Meer, die anderen Gäste, die so aussehen, als wollten sie hier nie wieder weg, und die ruhige Atmosphäre lassen aber schnell die Entspanntheit einsetzen – für die der Ort so geschätzt wird. Tagsüber sind wir am Strand, abends in den tollen Bars und Restaurants unterwegs, wo es neben Rice & Curry auch mal Pizza nach Srilankischer Art und jede Menge leckere Meeresfrüchte gibt.


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An einem Morgen starten wir mit dem TukTuk in Richtung Lighthouse Point. Nach einer etwa 30 minütigen Fahrt stehen wir vor dem nicht enden wollenden Sandstrand. Mit einem Blick nach rechts und links wird klar, wir sind die einzigen hier. Einfach herrlich. Hier könnte die Zeit nun gerne stehen bleiben.

 

  1. Batticaloa – die einzigen Touristen in der Stadt

Batticaloa ist wohl die Stadt, die wir am meisten unterschätzt haben. Auf dem Weg von Arugam Bay in das Kulturdreieck ist Batticaloa eigentlich nur als Zwischenstopp gedacht. Unsere bezaubernde Unterkunft – ein Haus im Kolonialstil –, unsere herzlichen Gastgeber und ein Spaziergang durch die Stadt mit einem köstlichen Mittagessen überraschen uns mehr als positiv. In der Stadt sind wir so ziemlich die einzigen Touristen und werden von den Kindern mit Jubelschreiben willkommen geheißen. Abends sitzen wir auf der Terrasse unserer Unterkunft, ich schließe Freundschaft mit der circa 7-jährigen Tochter des Hauses und blicken auf das holländische Fort auf der anderen Seite des Flusses, während unsere Gastgeberin in der Küche das wohl beste Rice & Curry zubereitet, was wir auf unserer Reise essen werden. Dieser Ort lädt zum Verweilen ein!

Batticaloa, Sri Lanka

  1. Höhlentempel von Dambulla – Blumen für Buddha

Von Batticaloa geht es weiter ins Landesinnere. Wir verbringen insgesamt vier Tage im sogenannten Kulturdreieck. Hier reihen sich Tempel, Kulturstätten und Ruinen dicht an dicht. In einem Tagesausflug erkunden wir die Höhlentempel von Dambulla. Um sie zu erreichen, muss man aber in der Hitze erst eine Vielzahl von Treppen erklimmen und dabei die Affen nicht aus den Augen lassen, die es besonders auf die Wasserlilien abgesehen haben, welche die Besucher die Treppen hinauf tragen, um sie zu Ehren von Buddha im Tempel niederzulegen.

Dambulla, Sri Lanka

In den Höhlentempeln, die vermutlich im 1. Jahrhundert v. Chr. angelegt wurden, steht eine Buddha-Skulptur neben der anderen – insgesamt sind es rund 150. Von dem Vorplatz der Höhlentempel hat man einen grandiosen Blick und zugleich ist es schwer vorstellbar, dass sich jemand dem spirituellen Zauber dieses Ortes entziehen kann. In der ersten und kleinesten Höhle werde ich durch Zufall Zeuge, wie ein kleiner Srilankanischer Junge von einem Mönch den Segen Buddhas empfängt und als Zeichen ein weißen Faden um das rechte Handgelenk gelegt bekommt. Als die Eltern mit ihrem Sohn die Höhle verlassen, ruft mich der Mönch zu sich herein. Und auch wenn ich die Worte seines Segens nicht verstehe, so gehört dieses Erlebnis zu den eindrucksvollsten unserer Reise.

 

  1. Sigiriya Rock – das Kulturdreieck von oben

Am nächsten Tag brechen wir sehr früh in Richtung des Sigiriya Rock auf. Rund 1.200 Stufen bis zum Gipfel lassen sich am besten in der kühlen Morgenluft, statt in der sengenden Nachmittagshitze bewältigen. Noch dazu gehören wir zu den ersten Touristen, die sich auf den Weg machen, um die zahlreichen Stufen, die Fresken auf halber Höhe, den Ausblick und die Ruinen des Palastes auf dem Berg zu bestaunen. Der doch beschwerliche Aufstieg wird mit einem tollen Ausblick belohnt, den wir zu so früher Stunde (den Gipfel erreichen wir um 8.30 Uhr) mit nur wenigen Touristen teilen müssen.

Sirigiya Rock, Sri Lanka

 

  1. Anuradhapura – der Glaube kennt keine Grenzen

Nur 1 ½ Stunden mit dem Bus von Damulla entfernt, machen wir einen letzten Stopp im Kulturdreieck. Anuradhapura ist die Stadt, die wir auf unserer Reise immer die A-Stadt nennen, weil der Name ein echter Zungenbrecher ist und wir sie nur bei jedem dritten Mal richtig aussprechen können. Die A-Stadt ist eine riesige Kulturstätte – Ruinen grenzen an Ruinen, dazwischen immer wieder Stupas und in ihrer Mitte der Sri Maha Bodhi – der älteste, historisch belegte Baum der Welt. Seit über 2.000 Jahren steht der Baum an diesem Ort und wird von Wächtern gehegt und gepflegt. Der Buddhismus ist hier allgegenwärtig. Rund um die Stupas, den glockenförmigen Gebäuden, die Grabhügel darstellen und zu Ehren Buddhas erbaut wurden, strömen die Menschen herbei, um zu beten. Überall duftet es nach Räucherstäbchen und zugleich ist es sooo friedlich. An diesem Ort fühle ich mich frei, die Gedanken sind frei. Es gibt keine Mauern, die Grenzen setzen, es gibt keine Hektik.

Anuradhapura, Sri Lanka

 

  1. Mihintale – auf den Spuren des Buddhismus

Auf Anraten unseres TukTuk-Fahrers machen wir an einem anderen Tag spätnachmittags einen Ausflug nach Mihintale. Wir sind wenig begeistert als wir vor den Treppen stehen, an deren Ende uns die sehenswerte Kultstätte erwarten soll, die uns der Fahrer so sehr empfiehlt. Wenig motiviert besteigen wir den Berg und sind am Ende froh, dem Rat des Sri Lankaners gefolgt zu sein. Die Tempelanlage und die stattliche Buddha Statue auf dem Gipfel stammen aus dem Jahr 247 v. Chr. Für die Buddhisten auf Sri Lanka hat Mihintale eine besondere Bedeutung. Dieser Ort gilt als Ursprung des Srilankischen Buddhismus.

Mihintale, Sri Lanka

  1. Alankuda Beach – entspannen im Paradies

Nach über zwei Wochen auf Reisen verschlägt es uns an die Westküste Sri Lankas. Über den Rough Guide werden wir auf eine Reihe von Eco Ressorts aufmerksam, die zu den besten der Insel gehören. Ein Salzwasserpool mit Blick auf das Meer, Frühstücken auf alten Fischerbooten, eine gute Srilankische Küche und eine eigene Lehmhütte versetzen uns kurz vor dem Abflug noch einmal in den Zustand tiefster Entspannung, den ich bis heute (zum Glück) noch nicht verlassen habe.

Bar Reef Ressort

  1. Wilpattu Nationalpark – mit dem Jeep durch die Wildnis

Nach 4 Tagen Entspannung unternehmen wir am vorletzten Tag noch einen Ausflug in den Wilpattu Nationalpark. Er ist der größte Nationalpark Sri Lankas und längst nicht so überlaufen wie der Yala Nationalpark, dafür aber auch weitläufiger. Mit dem Jeep sind wir 4 Stunden in dem Park unterwegs, in der Hoffnung freilebende Bären und Leoparden zu sehen. Die scheuen Tiere haben an diesem Tag keine Lust, uns mit ihrer Anwesenheit zu erfreuen. Viele Vogelarten, Füchse, Wasserbüffel und Warane können wir aber aus unseren Jeep erspähen. Nichts desto trotz ist die unberührte Natur in dem Park wunderschön und auf jeden Fall einen Besuch wert.

Willpattu Nationalpark, Sri Lanka

 

Hier sind noch einmal alle meine Lieblingsorte auf der Karte eingezeichnet:

Wer unsere Reise und Ton und Bewegtbild erleben will, dem sei Christians Video empfohlen:

40 Kilometers to Paradise from Christian Dingler on Vimeo.

  • Rathes Sachchithananthan

    Auch hier mal wieder ein richtig einseitiger Bericht von Sri Lanka. Ich hatte mal in einem Blogeintrag geschrieben, warum man nicht nach Sri Lanka reisen sollte, obwohl die Insel Ceylon meine Heimat ist.
    http://web-und-die-welt.de/2015/06/reisen-nach-sri-lanka/

    Anders als dort beschrieben seid ihr zwar doch ein wenig weiter nördlich gegangen bei eurer Reise, aber habt gekonnt die Kurve bekommen, um bloß nichts vom Krieg mitzubekommen und unsere durch den Krieg zerstörte Kultur mitzubekommen.

    Ja, es leben neben den singhalesischen Buddhisten auch noch andere Kulturen. Nur wird das in den Trips so gestaltet, dass man davon fast nicht mitbekommt und wenn, dann nur die, die sich aus Angst um ihr Leben unterworfen haben und so keine Kriegsschäden erlitten haben.
    Das ist wirklich schade, dass sich keiner in unsere Gegend traut und so immer nur vom schönen Sri Lanka berichtet wird, während tagtäglich jetzt noch meine Mitmenschen umgebracht werden. In dem schönen Sri Lanka, wo ihr doch so gerne wieder hinwollt.

    • Hallo Rathes,

      ich weiß gerade nicht, wo ich anfangen soll. Versuchen wir es mal so: Wir setzen uns mit der Geschichte und Kultur der Länder, in die wir reisen ein bisschen mehr als oberflächlich auseinander. Uns war bereits vor der Reise bewusst, dass es neben buddhistischen Singhalesen auch noch Tamilen, Moors, Burgher und ein paar andere Ethnien auf Sri Lanka gibt.

      Auch mit dem Bürgerkrieg haben wir uns auseinandergesetzt. Und ja, die jüngere Geschichte hat uns nicht daran gehindert, nach Sri Lanka zu reisen. Denn wir ordnen die einzelnen Ereignisse unter Umständen etwas anders ein, als Du.

      Ich kann auch nachvollziehen, dass die Tamilen die Unterdrückung durch die Singhalesen satt waren und dadurch Organisationen wie die LTTE Zulauf bekamen. Es gibt aber auch sehr gute Gründe, warum die LTTE seit Mitte der 90er Jahre die Unterstützung im Westen verloren hat.

      Aus meiner Wahrnehmung ist jetzt gerade ein guter Zeitpunkt nach Sri Lanka zu reisen. Seit sechs Jahren ist ein Bürgerkrieg vorbei, in dem sich beide Seiten nicht gerade durch Wahrung der Menschenrechte hervorgetan haben. Jetzt ist genau der Zeitpunkt, an dem die Chance besteht, dass alles gut wird. Ja, auch jetzt noch verschwinden Menschen, weil sie für Tamil Eelam eintreten, auch jetzt noch gehen Hütten in Flammen auf, weil die dort wohnende Familie die falsche Religion hat.

      Das hört aber nicht dadurch auf, dass wir aus Sri Lanka wegbleiben. Aus meiner Sicht ist das Gegenteil der Fall. Tourismus bedeutet wirtschaftliche Entwicklung und irgendwann Wohlstand auf bescheidenem Niveau. Wem es wirtschaftlich gut geht, der zündet seltener das Haus seiner Nachbarn an.

      Und zumindest unser Geld ging nicht nur an Singhalesen. Wir haben bei Tamilen in Batticaloa gewohnt, wir hatten Tuk Tuk-Fahrer, die Moors und Tamilen waren.

      Und zu guter letzt, weil es in Deinem Kommentar zwischen den Zeilen durchschien: Wir hatten keinen singhalesischen Guide, der uns nur zu Restaurants und Hotels seines Netzwerks gelotst hat. Wir sind mit dem Zug gefahren und haben uns auf das öffentliche Busnetz verlassen. Die Fahrkarte nach Jaffna hatten wir auch schon so gut wie gekauft.

      Dass wir dann doch nicht gefahren sind, hatte dann aber nichts mit Ignoranz gegenüber den Problemen zwischen Singhalesen und Tamilen zu tun, sondern mit rein privaten Gründen.

      • Rathes Sachchithananthan

        @genuin4:disqus Danke erst einmal für deine Antwort. Mich würde mal interessieren wie du das die letzten Monate vor dem Ende des Bürgerkrieges einordnest.
        Die LTTE spielt bei mir und meiner Arbeit eine eher untergeordnete Rolle, was mir wichtig sind, das sind die Bürger, es sind immerhin meine Mitmenschen, die mich geprägt haben und aufgezogen haben. Und dass diese sogar nach dem Krieg immer noch in Angst leben müssen, ist ein Unding. Dass aber keiner davon was mitbekommt, weil Touristen das Land als friedlich beschreiben, das ist viel schlimmer.
        Dass die Wirtschaft ohne politische Lösung vorangetrieben wird, ist nicht gerade fördernd für uns, denn von dem Geld, das ihr uns zusteckt, kommt dank unserer Regierung leider nichts bei uns an. Und wenn mal was ankommt, haben einige „buddhistische“ Mönche ein Mittel mehr, um das Volk gegen uns Tamilen aufzuhetzen. Wenn die Wirtschaft aber schleppend vorangeht, dann ist man gezwungen sich auf politische Ebene endlich mal auf hilfreiche Lösungen zu einigen, diese gab es bisher nicht.

        Habt ihr euch mal in Batticaloa umgehört, was die Lage der Tamilen dort ist? Wie viele Tamilen von dort verschwinden mussten? Wie viel Land uns dort abgenommen wurde, obwohl es gesetzlich uns gehörte?
        Mein Blogbeitrag richtete sich nicht gegen euch. Ich kenne euch ja nicht, aber in Teilen hat es auch bei euch gepasst. Was bei den Beiträgen wie diesem hier immer wieder ärgert ist, dass es so dargestellt wird, als sei da nichts losgewesen. Bilder die nur eine Seite des Landes zeigen. Bilder, die dafür sorgen, dass unwissende Menschen denken, Sri Lanka sei ein Paradies. Für euch vielleicht, für uns leider nicht.

    • Hallo Rathes,

      ich kann Christian nur zustimmen. So schade, wie du es findest, dass wir nicht in den Norden gereist sind, so schade finde ich es, mich/uns vorzuverurteilen, obwohl du weder bei unserer Reise dabei warst, noch uns wirklich kennst. Wir haben uns während der Reise fast ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegt, haben uns mit der Kultur, den Konflikten und der Historie sehr wohl beschäftigt. Reisberichte sind immer subjektiv. Ich kann nur über das berichten, was ich auch erlebt habe. Das bedeutet aber nicht, dass ich alles andere ausblende. Ich glaube, mich vor niemandem rechtfertigen zu müssen, warum ich nicht weiter in den Norden gereist bin. Der Faktor „Zeit“ und wie Christian schreibt private Gründe gaben den Ausschlag. Wenn du uns deshalb aus deinem Netzwerk entfernen möchtest/entfernt hast, wie du es in deinem Blogbeitrag schreibst, dann kann ich dich nicht davon abhalten. Das Internet ist groß genug für uns alle.

      Viele Grüße
      Christine

      • Rathes Sachchithananthan

        @Punktefrau:disqus Wie ich unten Christian geschrieben habe, so auch hier noch einmal. Der Blog-Beitrag war nicht direkt gegen euch gerichtet.
        Was ich mir gewünscht hätte, dass du eben auch für die Geschichte und Konflikte schreibst. Du sagst, dass du das nicht ausblendest, aber im Beitrag hast du es ja ausgeblendet. Und genau den sehen deine Leser und haben selber nicht die leiseste Ahnung von den Schattenseiten.
        Rathes
        Rathes